Aufstieg zur Schneebergscharte

2017 Etappe 02 – Sterzing zur Schneeberghütte

Eckdaten

Strecke:

0,10 km

Anstieg:

0 m

Abstieg:

0 m

Dauer:

0,00 Std.

Tagebucheintrag

Unsere zweite Etappe sollte mit geplanten 1720 Höhenmetern bereits an die anspruchsvollsten Etappen des letzten Jahres heranreichen und führte aus Sterzing über Ridnaun und Maiern auf die Schneebergscharte und von dort hinab zur Schutzhütte Schneeberg (Rifugio Monteneve). Trotz der erfolgreichen und zügigen ersten Etappe befürchteten wir uns zu überschätzen und planten gegen 9:00 Uhr auf den Rädern zu sein. Dafür weckte uns Marias Handy um 7:00 Uhr aus dem tiefen Schlaf in der wunderschönen Pension Frick. Pünktlich um 7:30 Uhr waren wir bereits am reich gedeckten Frühstückstisch, genossen guten Kaffee (bzw. Kakao), Eier, Brötchen und Joghurt mit Müsli, als unvermittelt ein kleines Kätzchen in die Stube stürmte, welches leider sogleich von der Wirtin abgefangen wurde.

Wenig später packten wir unsere Rucksäcke nach Plan und fanden sogar platz für die am Vortag übrig gebliebenen Thunfischdosen der Marke Nostromo. Während der Bezahlung wies uns die Wirtin noch einmal darauf hin, dass in der Nacht auf den Gipfeln neuer Schnee gefallen sei und dies sicher auch für die Schneebergscharte gelte. Im Vergleich zur schneereichen Vorwoche, in der wir morgens nervös beim Frühstück das Alpenpanorama / Alpenwetter schauten, war es aber zumindest in den Tälern spätsommerlich warm.

Katzenbabies

Katzenbabies vor der Pension Frick

Vor der Tür erwartete uns das pelzige Unheil. Noch gut im Zeitplan verließen wir die Pension, um dann von drei verspielten kleinen Katzenbabies begrüßt zu werden, die sich mit großem Interesse unseren Taschen und Tüten näherten und diese als Spielzeug nutzten. Auch waren die kleinen Kätzchen zutraulich genug um sich streicheln oder sogar auf den Arm nehmen zu lassen. Nur schwer und mit deutlicher Verspätung konnten wir uns von den Kleinen losreißen und endlich die Fahrräder holen.

Es folgten wenig spektakuläre Kilometer auf mittelmäßig befahrenen flachen Landstraßen aus Sterzing in Richtung Mareit. Zwar merkte man auch hier schon die ein oder andere Druckstelle am Sattel, kam aber schnell voran. Auch die erste Prüfung, ein paar Kilometer mit einer Steigung von ca. 10% auf asphaltierten Straßen hinauf nach Ridnaun, war schnell mit nur wenigen kurzen Stopps bewältigt. Aus dem Sattel gingen wir dabei eigentlich nur um die Sitzknochen kurz zu entlasten.

Der Ort Ridnaun liegt auf einem kleinen Plateau und in Richtung Maiern, der letzten Stadt unserer Etappe, konnte man locker Rollen. Schon gegen 11:30 Uhr und somit vor unserer befürchteten Ankunftszeit, waren wir dann in Maiern und gönnten uns eine längere Pause auf dem akkurat angelegten Platz vor einem morbiden Bildstock. Gestärkt von ein paar Quetschbeuteln mit Fruchtmuß und anderen Snacks konnte es dann weiter gehen.

Am Ende der Stadt befindet sich die BergbauWelt Ridnaun, ein Teil des Bergbaumuseums Südtirol. Die großen Anlagen waren teilweise noch in den 1980er Jahren in Betrieb und sind entsprechend gut erhalten. Unsere am Computer geplante Strecke hätte uns mitten durch das Industriedenkmal geführt und musste spontan auf einen später parallel verlaufenden Wanderweg umgelegt werden.

Schafe

Schafe am Monteneve

Ein steiler geschotterter Weg führte vorbei an dem Startpunkt der ehemaligen Seilbahn der Bergarbeiter. Der Abschnitt von einigen hundert Metern war zwar noch fahrbar, aber nach jeder Unterbrechung fiel das Anfahren deutlich schwer und plötzliche Stopps brachten uns wegen der Clickpedale in Bedrängnis, so dass es zu einigen unverhofften aber harmlosen Stürzen kam. Zwei Pärchen auf Elektrorädern pedalierten währenddessen locker an uns vorbei, waren sich aber ihrem unfairen Vorteil bewusst und motivierten uns mit ein paar freundlichen Worten. Der folgende Abschnitt war deutlich flacher und führte durch das bewaldete Tal. Rechts davon lagen große zerklüftete Weiden voller Kühe und in unregelmäßigen Abstand saßen Hirten in Decken gehüllt an einem kleinen tiefer gelegenem Pfad. Als sich der Wald lichtete durchquerten auch wir einen Weidezaun und trafen auf eine Gruppe Schafe mit Jungtieren, die nur wenige Meter ab des Weges grasten.

Bremsbergzugang

Oberer Bremsbergzugang

An der folgenden Kreuzung entschieden wir uns anstelle des langen flachen Wanderweges um die Moarerbergalm den direkten Weg am Poschhausstollen vorbei über den gut erhaltenen Bremsberg zu nehmen. Direkt am Stolleneingang auf über 1900 m Höhe leerten wir eine Dose Thunfisch und besichtigten die Gebäude um den Stollen. Als nächstes folgte ein Bremsberg, welcher sich auf einer Strecke von etwa 500 Metern mit im Durchschnitt über 30% Steigung schnurgerade den Berg hinauf arbeitet. Bei dieser Steigung war selbst das Schieben der Räder beschwerlich. Am oberen Ende erwarteten uns einige neugierige Ziegen. Sie beobachteten uns über Minuten hinweg in freudiger Erwartung, bevor es ihnen doch zu lange dauerte und sie sich wieder dem begrasten Hang widmeten. Das letzte Fünftel des Bremsberges, dass wir erreichten als die Ziegen schon hinter der nächsten Anhöhe verschwanden, hatte sogar eine Steigung von 45 – 50 %, was zum Abheben des Vorderrades auch beim Schieben führte.

 

Als diese kurze Tortour geschafft war, erreichten wir erstmals hochalpine Landschaften. Es führten nun enge steinige Wanderpfade der Schneebergscharte entgegen. Ein einziges Plateau mit kleineren Seen und Hochalmen nutzten wir zur kurzen Nachmittagsrast. Mittlerweile hatte sich die Wolkendecke aufgelöst und die Sonne brannte auf uns nieder. Andererseits war sie bereits kurz davor hinter dem Bergkamm zu verschwinden und drängte uns zum weiter gehen. Ohnehin täuschten die warmen Sonnenstrahlen über die 8 °C Lufttemperatur hinweg. Schon nach Überwinden der nächsten kurzen Stufe lagen wir im Schatten des Berges und gleichzeitig am Anfang großer Schneefelder. Hier mussten wir uns vor einem verschlossenem Stolleneingang warm anziehen. So gerüstet quälten wir uns der dem Kaindljoch entgegen. Die vorher gut gemacht Zeit ging auf den letzten zwei bis drei Kilometern dorthin verloren. Der Übergang zeigte sich anstrengender und unangenehmer als jeder während unserer letzten Alpenüberquerung und der Schnee sorgte für eisige Füße.

Panorama Schneebergscharte

Panorama auf dem Weg zur Schneebergscharte

Am höchsten Punkt angekommen blieb keine Zeit mehr dafür den ohnehin in der Dämmerung verschwindenden Ausblick zu genießen und auch auf ein Gipfelfoto verzichteten wir. Die Rückseite der Scharte war dann noch verschneiter, aber immerhin weniger steil. Durch die gute Reifenführung in dem hohen Schnee und den durch das Vereisen der obersten Schicht festen Tritt, konnte man ungewöhnlich schnell zum flacheren, sogar fahrbaren, Streckenabschnitt gelangen. Doch dort angekommen offenbarte sich sogleich ein durch die Erschütterungen hervorgerufenes technisches Problem. Marias Reifen schliff sobald sie das Fahrrad mit Gewicht belastete. Die Ursache war am Berg bei einsetzender Dunkelheit nicht zu finden und für uns bedeutete das wenig erquicklich weiteres Schieben.

Trotzdem brauchten wir nicht mehr lange zur Schutzhütte Schneeberg, einem Restaurierten Gutshaus in der ehemaligen Knappenstadt St. Martin. Die Schneeberghütte ist eine sehr große und schöne Alpenhütte mit kleinem Bergbaumuseum. Das Fahrrad kann hier sicher verschlossen abgestellt werden. Im Eingangsbereich der Hütte befindet sich ein sehr guter Trockenraum, so dass gewaschene Wäsche schon am nächsten Morgen wieder getragen werden kann.

Von den Strapazen gebrochen entschieden wir uns zunächst in der Stube einzukehren und zu Abend zu essen. Auch wenn unser Budget eigentlich kein Abendessen vorsah bereuten wir es keine Sekunde. Das Essen war gut und reichhaltig. Insbesondere die Knappennudeln, verfeinert mit dem hasugemachten Pesto-Chili-Öl, und ein Stück Apfelstrudel waren eine adäquate Belohnung für die harte Etappe. Satt und etwas aufgewärmt überwanden wir mit letzter Kraft die Steile Treppe hoch ins große helle Matratzenlager auf dem Dachboden und noch einmal runter zum Waschraum im ersten Obergeschoss. Dort befinden sich die kostenfreien Duschen und einige Waschbecken mit warmen Wasser. Trotz der vielen Wanderer im zu einem Drittel belegtem Matratzenlager, war die folgende Nacht ruhig und erholsam.

Ausgaben

Maria:

0,00 €

Sebo:

0,00 €

Bernhard:

0,00 €

Für die drei Abendessen, drei Getränke und Übernachtung zahlten wir etwa 40 € pro Person. Andere Ausgaben hatten wir an dem Tag keine.

Bilder

Videos (iFrame-YouTube)

Schreibe einen Kommentar